Wie fühlt man sich als Vater

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So fuehlt man sich als Vater

Da ich gerade einen Moment der Ruhe habe, in dem alle schlafen außer mir, kam ich ins Nachdenken darüber, was sich denn eigentlich geändert hat, seitdem ich Papa geworden bin. Wie fühle ich mich als Vater? Ist mein Leben “auf den Kopf gestellt”, wie es immer alle prophezeien? Na mal sehen – es folgt eine Liveschalte in meine beim Schreiben entstehenden Gedanken.

5 Minuten später: bin bei Youtube hängen geblieben. Erkenntnis Nummer 1:

– 3 Tage später –

So, kam was dazwischen. Also, zur Erkenntnis Nummer 1:

es ändert sich nicht alles. Man hat immer noch Zeit mal ein paar Videos zu schauen oder abzuhängen. Aber: man weiß nicht mehr wie lange. Während ich hier saß und tippte ist irgendwas passiert und jetzt sind drei Tage vergangen und ich tippe weiter. Naja – eine Brieffreundschaft kann man so jedenfalls nicht aufbauen.

Als Vater macht man sich Sorgen

Was sich für mich geändert hat als ich Vater wurde war denke ich in erster Linie meine Gefühlswelt. Ich liebe plötzlich eine Person mehr auf der Welt. Normalerweise überkommt einen sowas ja und man ist nicht drauf vorbereitet.
Beim kleinen Baby weiß man allerdings schon 9 Monate vorher, dass man bald Hals über Kopf verliebt sein wird. Und auch sein muss. Von der Erwartungshaltung her. Manchmal hat es sich am Anfang komisch angefühlt, wenn ich den kleinen einfach nur relativ neutral “wahrgenommen” habe. Man kann ja nicht rund um die Uhr debil grinsend durch die Gegend rennen. Aber mit jedem Tag, den Mann mehr mit dem Kind verbringt festigt sich auch die Bindung. Das habe ich wirklich deutlich gemerkt. Uns fehlen die 9 Monate Baby im Bauch, deshalb geht es erst nach der Geburt so richtig los mit Liebhaben.

Außerdem mache ich mir ständig sorgen. Ich war vorher schon vorsichtig und habe auch bei grünen Ampeln geschaut, ob kein Auto kommt, das mich erwischen könnte. Aber jetzt kommt immer der Gedanke dazu, was mit dem Kleinen wohl passiert, wenn mir oder uns etwas passiert. Ganz schön anstrengend kann das sein.

Und dann ist da noch die ewige Geldfrage. Sollte man sich nicht ein Haus zulegen, damit man später was vererben kann? Wenn man immer Miete zahlt bleibt ja nix übrig für später. Aber was, wenn das Haus abbrennt? Dann ist man ja total ruiniert. Und was, wenn es ihm dort nicht gefällt, wo das Haus steht? Usw. usw.

Ein Kind bringt Ruhe

Also wenn es nicht gerade schreit. Ich lag gestern locker eine volle Stunde neben dem Kleinen auf einer Decke und hab ihm immer wieder seine Rassel in die Hand gedrückt, wenn sie zu weit weggeflogen ist. Dafür hätte mir vorher komplett die Geduld gefehlt. Mit selbst diagnostizierter Konzentrationsschwäche (wobei das auch die Zeugnisse der Klassen 1- 11 bescheinigen) hatte ich vorher nie die Ruhe für sowas. Da hätte ich die ganze Zeit versucht irgendwas parallel zu machen. Aber jetzt kann ich das richtig genießen und wenn das Kind nach ein paar kurzen Monaten anfängt richtig Kontakt aufzunehmen beim Spielen und sich freut, wenn sich der Papa freut, dann ist das eine Situation, in der man überhaupt nichts anderes auf der Welt mehr will.

Der Tagesablauf ändert sich komplett

Da ich noch in Elternzeit bin, kann ich den Tag gemeinsam mit Mama und Baby verbringen. Das bringt viele Freiheiten aber birgt auch so seine Tücken. Die Freiheit zum Beispiel, nach einer kurzen anstrengenden Nacht (es wird besser mit der Zeit, keine Sorge), noch liegen zu bleiben, falls sich das Kind entscheidet von acht bis neun doch noch mal zu schlafen. Das ist schon sehr viel wert. Man muss dann allerdings auch in die Gänge kommen, denn was uns schnell aufgefallen ist, ist dass der kleine Routine braucht. Komplett verpennte Tage waren bei uns zwar schon vorher nicht angesagt, aber man hatte immerhin die Möglichkeit dazu. Damit ist jetzt jedenfalls Schluss.

Freiheitsentzug

Empfinde ich Gott sei Dank überhaupt nicht. Ich wollte ja ohnehin Kinder haben und da es “keinen richtigen Zeitpunkt” gibt, gibt es auch keinen falschen Zeitpunkt. Ich bin mit völliger Zen-Attitüde unterwegs was das angeht. Bis auf kurze Momente des Zweifels wie man sie hin und wieder hat, gehe ich davon aus, dass ich im Leben alles erreichen kann, was ich mir vornehme und bisher war das auch immer der Fall. Deshalb ist mein Ausblick auf die nächsten 20 Jahre mit Kind auch rosa gefärbt und voller Regenbögen.

Das wird eine schöne Zeit und ich freue mich wahnsinnig darauf.
So fühle ich mich als Papa.

 

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