Baby Led Weaning – Erfahrungsbericht einer Mama

0
454

Wenn das Kind an dem Punkt angelangt ist, an dem neben Milch auch andere Nahrung verarbeitet werden kann, beginnt man Beikost zu geben. Das kann der klassische Brei sein, oder man entscheidet sich für Baby Led Weaning. Was das genau ist, hat uns eine Fachfrau erklärt. Danke an Johanna von babyled-weaning.de, die uns die Thematik leicht verdaulich aufbereitet hat. #dadjoke

Baby Led Weaning? Nur die harten kommen in den Garten!

Als der Sohn im Juli 2015 zur Welt kam, veränderte sich so vieles in meinem Leben. Zunächst war ich aber vor allem eins: absolut und total am Ende. Körperlich wie seelisch. Die Geburt hatte mich stark mitgenommen und ich konnte 4 Wochen das Bett kaum verlassen. Zum Glück hatte mein Mann 2 Monate Elternzeit genommen. Für mich waren die Dinge gar nicht so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ich war keine dieser vor Glückshormonen strahlenden Mütter und verspürte auch nicht diese wahnsinnig rosigen und ausschließlich positiven Muttergefühle. Ich war schlicht und ergreifend überfordert und auf die Hilfe meines Mannes angewiesen.

Er war derjenige, der wickelte, trug und beruhigte. Ich lag nur rum und hatte Muttermilch. Nachdem er wieder arbeiten war, änderten sich die Dinge. Ich musste mich allein um den Kleinen Milchjunkie kümmern und wuchs nach und nach in die Aufgabe hinein. Wurde zur Mutter. Und zur Übermutter. Ich stillte was das Zeug hielt, trug den Kleinen ausschließlich im Tragetuch, er durfte in unserem Bett schlafen und war keine Sekunde allein. Mein Mann gab die Aufgaben und Entscheidungen zunehmend an mich ab und konzentrierte sich auf seine Arbeit. Klassische Rollenverteilung eben.

Sicher, dass die Mutter das entscheiden soll?

Heute, liebe Väter, möchte ich am konkreten Beispiel berichten, wie einen diese klassische Rollenverteilung euch einholen kann: Unserem Beikoststart.

Denn was läge einer Megaglucke wie mir näher, was wäre passender, als auf die herkömmliche Breifütterung zu verzichten und den Sohn mit seinem Essen spielen zu lassen. Baby Led Weaning nennt man das unter uns Supermoms. Dem Baby wird nicht an einem von uns bestimmten Tag das von uns erwählte Essen in einer langweiligen, nichtssagenden Konsistenz superfies und löffelweise aufgezwungen, sodass das Kind später keine Freude mehr am Essen hat und kein Sättigungsgefühl verspürt. Stattdessen legt man ihm einfach was zu essen hin und es macht das alles selber. Wenn es will. Wie es will. So viel es will.

Natürlich war mein Mann einverstanden. Was sollte er auch sagen, schließlich hatte ich ganz klar gelesen, dass das das Beste für den Sohn sei. Und wenn was das Beste ist, gibt es keine Diskussion. Mehr muss ich euch nicht erklären, ne?

Den Zeitpunkt, wann der Sohn so weit war, bestimmte dann doch lieber ich. Irgendwer muss es ja bestimmen. Dann doch am besten ich. Um jegliche Diskussionen seinerseits oder Versuche, den Beikoststart hinauszuzögern gleich zu unterbinden, stellte ich ihn eines Abends, als er von einem langen Arbeitstag nach Hause kam, vor vollendete Tatsachen: Ich hatte eine Kürbis-Lasagne für den Sohn mitgekocht. Die bestand nur aus Lasagneplatten und handgerechten Kürbisstücken. Ich legte eine ordentliche Portion auf dem wunderschönen Marienkäfer-Kinder-Teller zurecht, den der Sohn bis dato auch noch nicht zu Gesicht bekommen hatte.

Auf meine auffordernde Frage hin, ob der Sohn wie den restlichen langen und wirklich anstrengenden Tag auf meinem Schoß sitzen solle, oder er ihn vielleicht auch mal halten wolle, bestand er hartnäckig darauf, dieses Erlebnis hautnah mit seinem Nachwuchs zu teilen. Da wusste er allerdings noch nicht, was ich bis dahin auch nicht wusste: Der Kürbis war viel zu lange im Ofen gewesen und was so nach schön rechteckigen Stückchen aussah, verwandelte sich binnen weniger Sekunden zwischen Kinderfingern zu Matsch-Brei.

Vergnügt und neugierig stellten wir dem Sohn also den Teller hin. Wir stellten und innerlich vor, wie er langsam und neugierig das Unbekannte untersuchen würde. Tatsächlich lief es so ab: In einer Geschwindigkeit, die wir so von ihm nicht kannten, packte er ein Stück Kürbis, verwandelte es zu Matsch, schleuderte davon mit wedelnder Hand nach oben und unten und wischte den Rest an Papa’s Hose ab. Dieser saß wie erstarrt. Damit hatten wir beide nicht gerechnet. Als nächstes packte sich das Baby-led-Weaning-Kind den Marienkäfer-Teller, hob ihn hoch und schlug damit einige Male auf den Tisch. In hohem Bogen verteilte sich der Rest des Essens auf dem Tisch, dem Boden, dem Kind und dem Vater. Nach getaner Arbeit warf er den Teller auf den Boden und widmete sich letzten zu verteilenden Kürbisstücken in der näheren Umgebung.

Während ich mich köstlich über das Geschehene amüsierte und in Ruhe meine eigene Lasagne aß, saß der Mann wie angewurzelt da und weigerte sich, sein Abendessen näher an sich heranzuschieben. Er war von oben bis unten voller Kürbis, genau wie der Sohn. Vermutlich fragte er sich in diesem Moment, ob wir dem Sohn nicht doch lieber Brei füttern sollten. Fies mit dem Löffel. Und entgegen seines natürlichen Hungergefühls und so. Aber er sagte nichts. Er saß nur da und trat in einen mehrstündigen Hungerstreik. Kürbis kochte ich die nächsten Wochen vorsichtshalber nicht und die nächsten Male saß der Sohn auf meinem Schoss.

Mit der Zeit wurde es besser. Der Sohn fing tatsächlich an, zu essen. Eine Sauerei ist es auch heute mit seinen 19 Monaten noch. Wenn ihr jetzt auch Lust darauf bekommen habt oder euren Frauen mal zuvor kommen wollt, könnt ihr hier weiterlesen: https://babyled-weaning.de

 


Wer jetzt keine Lust auf Lasagne hat, dem kann ich auch nicht mehr helfen. Auf Johannas Familienblog rubbelbatz.de gibt es übrigens noch weitere Geschichten aus ihrem Familienalltag.

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here